Stimmen der Energieforschung: Dieter Drexel

Interview: Welche Rolle spielen Innovation für Klimaneutralität am Industriestandort Österreich

November 10, 2020

Wie kann Klimaneutralität 2040 in der österreichischen Industrie funktionieren?

Für die Unternehmen gilt es ihre Prozesse zu optimieren und damit die Energieeffizienz zu steigern. Gleichzeitig gilt es ein zunehmend elektrifiziertes Energiesystem sukzessive auf erneuerbare Energiebereitstellung umzustellen. Innovation in all ihren Facetten wird der Schlüssel zu einer erfolgreichen Transformation des Energiesystems sein. Gleichzeitig gilt es festzuhalten, dass die energieintensive Industrie mit ihren Emissionen dem EU-Emissionshandel (ETS) unterliegt und somit nicht für die nationale Klimabilanz relevant ist und das ETS bislang dem EU Klimaziel folgt, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen.

 

Welche Auswirkungen hat COVID-19 auf die österreichische Industrie?

Die österreichische Industrie ist von COVID-19 in alle seinen Facetten betroffen – unmittelbar etwa durch erkrankte Beschäftigte, mittelbare etwa durch das de facto Dienstreiseverbot in vielen Teilen der Welt bis hin zum allgemeinen Einbruch wirtschaftlicher Aktivität. Daher kommen neue und noch ambitioniertere Energie- und Klimaziele für zahlreiche Unternehmen auch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

 

Welche Chancen ergeben sich durch ein innovationsorientiertes Konjunkturprogramm für die Industrietransformation?

Jedes kommende Konjunkturprogramm hat den Aspekt der Innovationsorientierung zu berücksichtigen. Dies umso mehr vor dem Hintergrund der notwendigen Transformation des Energiesystems. Gleichzeitig wird nicht jede Maßnahme die seitens der öffentlichen Hand gesetzt wird, ausschließlich diesem Ziel folgen können. Für zahlreiche Unternehmen gilt es zuallererst die Auswirkungen von COVID-19 rein wirtschaftlich zu bewältigen um überhaupt weiterhin in der Lage zu sein den Umbau des Energiesystems voranzutreiben.

Welche Maßnahmen sind in den kommenden zehn Jahren nötig um Klimaneutralität 2040 in der Industrie zu erreichen?

Energieeffizienz und die Bereitstellung erneuerbarer Energie und beides unter der Prämisse der Innovation sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transformation. Dies schließt insbesondere mit ein, dass jede Maßnahme, die ein Unternehmen setzt, am Ende des Tages zu dessen Wettbewerbsfähigkeit beitragen muss, um in einem Wettbewerb zu bestehen, dem sich Unternehmen in aller Regel weltweit stellen müssen.

 

DI Dieter Drexel

stv. Bereichsleiter Infrastruktur, Transport, Ressourcen & Energie, Umwelt, Industriellenvereinigung

Nach dem Studium des Industriellen Umweltschutzes an der Montanuniversität Leoben Beginn der beruflichen Tätigkeit im Umweltbundesamt im Bereich Abfallwirtschaft. In der Folge Tätigkeit als Referent für Abfallwirtschaft im Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverband.

Seit April 2001 Betreuung von umwelt- und energiepolitischen Themen und Projekten der Industriellenvereinigung und Wahrnehmung deren Agenden in diesem Bereich. Themenschwerpunkte sind Klimapolitik und deren Instrumente wie z.B. Emissionshandel.

Seit Juni 2007 stellvertretender Leiter des Bereiches Infrastruktur, Transport, Ressourcen & Energie.